Un/Heimat

Der BBM e.V. zeigt in Unbesandten (Prignitz) die Ausstellung Un/Heimat

Simone Ahrend, Escuela Secundaria Rebelde Autonoma Zapatista, Mervete Bobaj / mpower, Frank
Fenstermacher, Göran Gnaudschun & Anne Heinlein, Sebastian Krumbiegel, Sandra Kuttner, Sina Michalskaja / Shahin Zarinbal, Jörg Möller, Moritz ® / Der Plan, Daniel Rosenthal, Marie-Luise Scherer, Toneva/Tiller, „Der Wahre Heino“, Unbekannter Künstler (Übermalung), Yewgeni Yufit (†), Sahar Zukerman

Un/Heimat
27. Mai bis 10. September 2017
BBM e.v.
Am Elbdeich 17, 19309 Unbesandten, Prignitz, West-Brandenburg
http://www.bbm.cfnt3.de/index.cfm?id=1164&as=14289

“Un/Heimat” thematisiert die Erfahrung von Heimat und Verlust. Die Ausstellung fragt danach, ob der
historisch stark beschädigte, oft sentimental-retrospektiv benutzte Begriff „Heimat” in Zeiten intensiver Migration für demokratische Ziele wieder gewonnen werden soll – und wiedergewonnen werden kann. Die Ausstellung kreist daher um die Frage, wie zeitgemäß der Begriff “Heimat” zur Beschreibung aktueller gesellschaftlicher Phänomene ist. Müsste Heimat nicht stets zusammen mit dem Wort “Unheimat” (Viktor Mazin) gelesen werden, das mit Verweis auf Sigmund Freuds Konzept des Unheimlichen die Störung des Wohlgefühls und der Zugehörigkeit einzubeziehen versucht?
Das Flüchten vor unzumutbaren Zuständen, Gewalt und Verfolgung ist kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Schon immer waren Menschen in ihrer Heimat in Gefahr, standen unter politischem, wie wirtschaftlichem Druck und mussten deswegen migrieren.
Wie reagiert man im Fall von Flucht und Vertreibung auf einen Verlust von nahezu existenzieller Größe, wo einem nicht viel mehr als das nackte Leben bleibt, alle “Habe” verloren ist? Was bedeutet in Bezug auf die eigene Identität eine Dekonstruktion aller Verhältnisse, unter denen einem bisher das Leben als “lebenswert” erschien? Wie und mit wem schafft man einen offenen, dynamischen Ort, in dem der Neuentwurf, die Zukunft ausprobiert werden kann?
“Un/Heimat“ führt uns durch ein teils düsteres, wolkenverhangenes, dann wieder witziges, hell-leuchtendes Panorama einer gefühlsmäßigen Verortung: woher komme ich und wie fühle ich mich dort?
Wieviel von mir steckt in diesem Platz, den ich Heimat nenne und wieviel Eigenleben führt der Ort, der auf mich energetisch wirkt, mich auflädt? Wohin fließt die positive, woran entlädt sich die negative Spannung? Wird das „Eigene“ durch das „Fremde“ bedroht oder wird es in aller Schönheit und Bedeutung erst in der Konfrontation mit dem Anderen sichtbar? Welchen „Wert“ hat Heimat und können wir „zur Not“ auch ganz ohne sie auskommen?